EXCURSION JAPO-BAVAROISE


Unter dem Titel „EXCURSION JAPO-BAVAROISE“ laden Carolin Wenzel und AnnaMaria Kapsner vom 11. Mai bis zum 1. Juni zu einem durchweg bayerischen, aber dennoch exotisch anmutenden Ausflug ein. Die beiden Münchner Künstlerinnen verbindet, neben ihrer Leidenschaft für das Reisen, ihre Eigenart, in Zeiten zahlreicher digitaler Alternativen einen analogen Reise-Blog in Form des guten alten Skizzenbuches mit sich zu führen.

Sie zeigen neben einem fotografischen und installativen Streifzug in bayerische und fernöstliche Gefilde zwischen Sashimi und Saumagen zudem die Crème de la Crème aus zehn Jahren Skizzenbuch Wenzel-Kapsner- eine rastlose Retrospektive sozusagen.

Zur Eröffnung am 10.Mai wird außerdem um 20 Uhr die Performance „Irgendwas mit Tofu...“ der Schauspielerinnen Pascale Ruppel und Anja Neukamm gezeigt.


München, 1. Mai 2013

Allein der Klang des Wortes Japonisme oder auch Japonaiserie lässt die Faszination nachfühlen, die vor allem französische Künstler im 19.Jahrhundert für die aus weiter Ferne aufgetauchten Farbholzschnitte des alten Edo empfanden. Zeugnisse einer völlig anderen Kultur ließen die Künstler vom „Exotischen“ träumen, das durch diese interessanten, bildnerischen Zeugnisse mehr und mehr Gestalt annahm.
Und die Faszination für die Ferne und das Exotische bleibt bestehen.

In Excursion japo-bavaroise thematisieren die beiden Absolventinnen der Münchner Akademie einerseits das tatsächliche Reisen, andererseits das eher abstrakte Vermengen und Hinterfragen von kulturellen Stereotypen und deren Verheißungen der Ferne.

Folgen Sie also dem Reiseleiter mit seinem papierenem Parapluie zu fotografischen und installativen Einblicken in fernöstliche und niederbayerische Exotik, inszenierte Culture Clashes und blättern sie in zeichnerischen Eindrücken einer Sammlung aus zehn Jahren optisches Fahrten-, Tage und Reisebuch von Wenzel und Kapsner.
Immer mit dabei, teils vergilbt, durchweicht und wieder getrocknet, erzählt das Skizzenbuch als transportierbarer, mobiler Arbeitsplatz zwischen den Zeilen und Zeichnungen oft mehr über den Entstehungsprozesses eines künstlerischen Werkes, als dem Werk selbst zu entnehmen wäre. Gemeinsam sind den Skizzenbüchern der beiden Künstlerinnen der collagenhafte Charakter. Eine bunte Mischung aus Text, Zeichnung und am Wegesrand Aufgegriffenem entführt in bekannte und fremde Lebenssituationen.
Nur bei wenigen Künstlerinnen ist die Skizzenbucharbeit eine so stete Konstante wie bei Wenzel und Kapsner. Schon 2008 zeigten die beiden Künstlerinnen ihre treuen Begleiter: im Zuge der 200-JahrFeier der Akademie der Bildenden Künste München initiierten sie die Ausstellung „Salonschleicher – Skizzenbücher beim Friseur“.


Die Ausstellung ist von 11. Mai bis 1. Juni 2013 zu sehen
Vernissage am 10. Mai 2013 von 19 – 21 Uhr, Perfomance 20 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit den beiden Künstlerinnen am 11. Mai um 14 Uhr
Die Öffnungszeiten der Galerie sind Dienstag/Donnerstag/Freitag von 13 – 19 Uhr und
Samstag 11-16 Uhr
Der Eintritt ist frei


artLABOR
Buttermelcherstraße 5 – Eingang Klenzestraße – 80469 München


Weiterführende Information:

CAROLIN WENZEL

Carolin Wenzel (1982, Dachau) studierte bis 2009 an der Münchner Kunstakademie Bildhauerei und Installation bei Professor Albert Hien. Bereits während des Studiums unternahm sie zahlreiche Reisen und studierte ein halbes Jahr in Budapest an der Akademie.

Im Februar 2012 legte sie das zweite Staatsexamen ab und unterrichtet nun Kunst am Münchner Luisengymnasium.

Bis heute sind die Skizzenbücher treue Wegbegleiter und optische Fahrtenbücher geblieben wie zuletzt auf ihrer Reise nach Japan.

Das Dasein zwischen Tourist, Vagabund, Outlaw und Beamten wurde bereits in früheren Arbeiten von Carolin Wenzel ironisch thematisiert- so verarbeitete sie im vergangenen Dezember mit der Ausstellung „Platzkartny Salon“ bereits eine Tour von Istanbul nach St.Petersburg zu Land und zu Wasser zu einem interkulturellen Kunstprojekt.

Auch vorher tauchten Immer wieder verschiedene Formen der Fort-Bewegung, des Unterwegs-Seins und des Gefühls von Fernweh und damit verbundener Ernüchterung auf.

So wurde eine verlassene Tankstellenkulisse der unbekannten Marke UHOR auf einem Brachfeld in der Hallertau installiert oder geschwärzte Leuchtgloben, die nicht mehr der Übersicht über Kontinente dienen, sondern sich endlos von einem Plattenspieler angetrieben zum Donauwalzer drehen miteinander verbunden. Die im Kellerraum einer ehemaligen Polizeiwache spärlich eingerichtete Motelzimmer-Zelle mit verdunkelten Fenstern, Projektionen und Leuchtkästen spielte mit Filmzitaten aus Roadmovies und huldigte dem Drang nach Aufbruch und dem Unterwegs-Sein, das unter Umständen aber gar keinen wirkliche Ortswechsel ermöglicht, sondern lediglich ein endloses Umkreisen der eigenen Achse.

Auf die Wanderlust und die Euphorie der Abfahrt folgt stets die Ankunft, das anarchische Zwischendasein des Reisens kann nur ein Schwebezustand bleiben, die vermeintliche Freiheit nur von kurzer Dauer.


ANNAMARIA KAPSNER

AnnaMaria Kapsner (1983, München) studierte bis 2010 Bildhauerei und Druckgrafik an der Akademie der Bildenden Künste München und arbeitet seitdem als freie Künstlerin in München. Sie unterbrach ihr Studium für ein Jahr um durch Sibirien und Asien zu reisen.

Im Frühjahr 2012 wurde ihr erstes Kind geboren.

Seit Herbst 2012 betreibt sie zusammen mit Wendy Bell und Nicola von Thurn die Produzentengalerie artLABOR.


Kapsners Werk zeichnet sich besonders durch das Wechselspiel von hoher ästhetischer Qualität und experimenteller Herangehensweise aus. Bei Kapsner bestimmt nicht die Technik den Inhalt, sondern der Inhalt bestimmt die Technik. Daher rührt die auffällige Unterschiedlichkeit der von ihr gewählten Medien.

Ihre jüngsten Arbeiten kreisen unaufhörlich um die Thematik der Identität und deren Sichtbarwerdung durch Inszenierung. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Körperlichkeit steht dabei oft im Zentrum.

Die Arbeit mit Skizzenbüchern ist eine langzeitige Konstante in Kapsners Werk. Die gezeigten Skizzenbücher vermitteln ein lebendiges Bild ihrer Themenfindung und Arbeitsweise.



Produzentengalerie artLABOR

artLABOR ist eine der wenigen Galerien Münchens, die von den Künstlerinnen (Bell, Kapsner und von Thurn) selbst betrieben wird. Der Name ist Programm: Die Produzentengalerie mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst versteht sich als Plattform für junge KünstlerInnen. Sie möchte Raum für die Vielfalt künstlerischer Medien, experimentelle Projekte und den Dialog zwischen KünstlerInnen bieten.

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