29.11.26 Talk is cheap #60
Talk is cheap - Pop und die Sozialwissenschaften, Lecture # 60
Arik Brauer - Künstlerkritik an der postfaschistischen Moderne
Sonntag 29.11.26 // 20 Uhr // iRRland 2, Bergmannstr. 4, München
Anfang der 1970er-Jahre verkauft ein Wiener Maler jüdischer Herkunft eine Platte mit autobiografisch geprägten Liedern in den Goldstatus. Seine im Wiener Dialekt vorgetragenen Texte beschäftigen sich mit seiner Jugend im heraufdämmernden Nationalsozialismus, seinem Leben als Teil der europäischen Künstlerboheme und seiner Ablehnung einer verwalteten Moderne klassischen Zuschnitts.
Sein Erfolg stützt einerseits die Ausbildung einer deutschprachigen Popmusik mit österreichischem Einschlag und macht andererseits jüdisch-österreichisches Leben in einer von der Shoa stark veränderten Stadt Wien sichtbar. Das schlicht Arik Brauer genannte Erfolgsalbum von 1971 wird im Zentrum des Vortrags stehen. Entstanden ohne mit einer größeren Wirkungsgeschichte zu rechnen, spiegelt es wenige Jahre nach kulturellen Verschiebungen von 1968 eine wirkungsmächtige Strömung des Zeitgeistes.
Heute ist Brauers musikalisches Werk vor allem in den Erinnerungen seiner Generation verankert. Was kann man mehr als 50 Jahre nach der Entstehung aus diesen Liedern mitnehmen?
Die Vortragsreihe Talk is cheap - Pop und die Sozialwissenschaften widmet sich popkulturellen Phänomenen und spiegelt Aussagen, Haltung und Ästhetik an den soziologischen und politischen Problemstellungen der Gegenwart. Worum ging es und geht es den Akteur*innen? Was kann man aus geschichtlicher, philosophischer oder soziologischer Sicht aus den Äußerungsformen einer Band, einer Regisseur*in oder einer Künstler*in mitnehmen? Nach einem Einstiegsvortrag durchsetzt mit Sound- oder Bildbeispielen runden hoffentlich lebhafte Diskussionen mit Kaltgetränken die Veranstaltungen ab.
Das iRRland2 ist ein selbstverwalteter Kunst- und Kulturraum im Münchner Westend, das maßgeblich durch Spenden getragen wird. hier finden Diksussionsabende, Ausstellungen, kleine Konzerte uvm statt.